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Wasser in unserem Leben

 

Wir Menschen gehen täglich zur Toilette, für uns ist das ganz normal. Aber was passiert mit dem Wasser nach dem Abziehen? Und was passiert mit allen anderen Abwässern, die in unseren Häusern entstehen?

Täglich werden in einem belgischen Haushalt 115 Liter Wasser pro Person verbraucht. Das geschieht jeden Tag: im Badezimmer, in der Toilette, in der Küche, im Waschraum, in der Garage, bei der Gartenbewässerung usw. Dieses Wasser fließt über Abflussrohre in Abwasserkanäle. Diese Abwasserkanäle bringen das Wasser durch die Kanalisation zu einer Kläranlage.

In der Kläranlage wird es dann erst einmal gesiebt, um den groben Dreck und Müll zu entfernen. Anschließend wird es in ein großes Becken mit Bakterien gefüllt.

Diese Bakterien reinigen das Wasser von kleinem Dreck. Dann wird es in ein anderes großes Becken gefüllt. Dort werden die Bakterien „rausgefischt“. Dann wird das Wasser in einen Fluss abgelassen. Es ist jetzt geklärt, aber nicht trinkbar. Einige Verunreinigungen können nämlich auch die Bakterien nicht aus dem Wasser holen.

Am Montag (28.04.) ist der Naturschützer Michael Seidlitz von der Naturschutzorganisation Natagora BNVS zu uns gekommen. Er hat uns das Projekt „Göhl 2020“ vorgestellt und uns viele interessante Dinge beigebracht. Beim Projekt „Göhl 2020“ geht es darum, wie der Fluss im Jahr 2020 aussieht. Ziel ist es nämlich, dass sich die Wasserqualität der Göhl verbessert. Michael hat uns deshalb erklärt, welches Wasser in der Göhl landet und was wir tun können, um es möglichst sauber zu halten.

Die Naturschutzorganisation Natagora BNVS kommt aus dem Süden der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Sie nimmt am Projekt Göhl 2020 teil, das ursprünglich aus den Niederlanden kommt. Trotzdem findet das Projekt auch in Belgien statt, denn die Göhl fließt von Belgien in die Niederlande. Da die Niederländer sauberes Wasser haben wollen, ist es ihnen wichtig, dass die Belgier auch darauf achten.

Das Abwasser aus Eynatten fließt zum Teil in die Göhl. Auch andere Bäche fließen in die Göhl. Dadurch wird sie immer größer. Sie fließt durch Belgien und die Niederlande und schließlich ins Meer. Auf diesem Weg liegen viele Dörfer und Städte. Es leben also viele Menschen an der Göhl. Außerdem gibt es hier viele Tiere, die im und am Wasser leben. Deshalb ist es sehr wichtig, dass das Wasser möglichst sauber bleibt. Wir haben also eine Verantwortung für alle Lebewesen, die auf das Wasser der Göhl angewiesen sind. Das hat uns Michael anhand eines Beispiels erklärt.

Jede Gruppe hat nämlich ein eigenes Wasserdorf „gebaut“. Diese haben wir am Ende miteinander verbunden. So gelangte das Wasser dann ins Meer. Wenn ein Dorf nicht auf sauberes Wasser achtete, war das Wasser im ganzen Fluss verschmutzt.

 

Ein Ziel von Natagora BNVS ist es auch, Korridore für Tiere zu schaffen. Ein Korridor ist ein Lebensraum, in dem die Menschen nichts verändern sollen. Diese Korridore sollen möglichst groß sein und entlang des ganzen Flusses führen. So können die Tiere z.B. von Belgien in die Niederlande wandern. Dadurch können sie neue Gebiete besiedeln und Familien gründen. So gelangen auch Tiere aus den Niederlanden zu uns.

 

Unser Tag im Naturschutzgebiet

 

Am 21.04. sind wir, die 5. Klasse, nach Plombières zu einem Naturschutzgebiet von Natagora BNVS gefahren. Dort trafen wir dann wieder auf Naturschützer Michael, der unser Führer war. Nach einer kleinen Wanderung vom Dorf aus, waren wir endlich da. Wir schauten von oben auf das Naturschutzgebiet herunter. Es war sehr groß, im Tal fließt die Göhl und rundherum waren riesige Wiesenflächen. Das Naturschutzgebiet war sehr schön, aber es gab auch Dinge, die nicht so schön waren. Die toten Bäume bleiben dort nämlich stehen oder liegen, weil sie perfekt für Spechthöhlen geeignet sind und Insekten darin wohnen. Das sieht aber ungewohnt aus.

Im Naturschutzgebiet haben wir auch Tiere beobachtet. Hier leben z.B. Insekten, Vögel und Frösche. Davon haben wir besonders viele gesehen. Diese Tiere leben in dem Naturschutzgebiet ungestört, weil dort die Menschen seit längerem nicht mehr in die Natur eingegriffen haben. Die Vögel bauen ihre Nester und Höhlen in Bäumen. Wir haben zum Beispiel Spechte, Graureiher, Enten mit Küken und einen Bussard gesehen. Die Frösche leben dort im Gras oder im Wasser und die Insekten leben fast überall: auf Bäumen, im Gras, im Wasser, im toten Holz, …

Die einzigen, die im Naturschutzgebiet in die Natur eingreifen, sind übrigens die Tiere, die dort leben. Ein besondere Rolle spielen die Galloway-Rinder, die dort leben. Sie sind dafür da, dass in dem Gebiet kein Wald entsteht. Sie trampeln Sprosse, also ganz kleine Bäumchen, platt, oder fressen sie auf. Natagora BNVS möchte nämlich Wiesenlandschaften wie früher schaffen, weil sie ein Lebensraum sind, der fast verschwunden ist.

Die Rinder werden jedes Jahr von einem Tierarzt untersucht, denn wenn sie krank werden, könnten sie die Krankheiten weitergeben. Menschen müssen 25 Meter Abstand von den Rindern halten.

Am späten Vormittag haben wir das Naturschutzgebiet kurz verlassen, um die Kläranlage zu erkunden. Michael hat uns anhand von Bildern erklärt, wie das Wasser Schritt für Schritt gereinigt wird. Trinken darf man es aber nach dem „Klären“ aber trotzdem nicht, denn manche Stoffe können auch da nicht aus dem Wasser geholt werden.

Nach der Wanderung zur Kläranlage hatten wir Mittagspause und konnten das Naturschutzgebiet un den Fluss erkunden. Danach haben wir die Göhl dann richtig untersucht. Sie ist das Herzstück des Naturschutzgebiets, denn sie liefert das lebenswichtige Wasser.

Zuerst haben wir die Struktur der Uferböschung untersucht: Sie ist unregelmäßig, also mal flach, mal steil. Dort haben wir sehr viele Frösche und totes Holz gefunden. Außerdem läuft der Fluss nicht geradeaus. Man sagt: Der Flussverlauf ist leicht mäandrierend (Mäander = Flussbiegung). Wir haben auch die Fließgeschwindigkeit gemessen. Für 10 Meter brauchten unsere Korken zwischen 9,5 und 252 Sekunden! An manchen Stellen fließt das Wasser also eher schnell (geradeaus), an anderen fließt es sehr sehr langsam (Kurven). Die Wassertemperatur lag am Donnerstag zwischen 9,5° und 10,5°.

Außerdem haben wir die kleinen Insekten und Wassertiere, die in der Göhl leben, untersucht. Dafür haben wir sie mit Sieben „gefangen“ und in kleine Gläser getan. Ein Schüler unserer Klasse hat ein sehr interessantes Tier entdeckt. Es lebt in einem „Haus“, das es sich selber gebaut hat (s. Fotos). Diese Insektenlarve ist ein Fleischfresse. Sie heißt Köcherfliegenlarve. Außerdem haben wir noch Flussflohkrebse, Eintagsfliegenlarven und sogar eine Schlammschnecke gefangen. Sogar kleine Fische konnten wir beobachten.

Wir hatten viel Spaß im Naturschutzgebiet in Plombières, und haben durch das Projekt „Göhl 2020“ viel Neues und Interessantes über Flüsse und das Wasser gelernt!

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